Amerikanische Faulbrut
oder
Warum der Besuch im Glascontainer für heimische Bienen tödlich sein kann

Bei akuten Fällen von Amerikanischer Faulbrut wird immer wieder darauf hingewiesen, dass Importhonig eine sehr wahrscheinliche Ansteckungsquelle für diese Bienenseuche gewesen sein könnte.

Je nach Herkunftsland kann Honig für Bienen tatsächlich hochinfektiös sein und eine Seuche auslösen. Nicht ganz geleerte und ausgespülte Honiggläser im Abfall (oder umweltbewusst im Glascontainer) stellen für heimische Bienen eine tödliche Bedrohung dar. Um Bienen vor solcher Unachtsamkeit/Unwissenheit zu schützen wurden schon Glascontainer mit Löschschaum gefüllt,

Warum ist Importhonig so gefährlich?

dscf0535-zwei-bienen-bereiIn vielen Nicht-EU Ländern wird die Amerikanische Faulbrut mit Antibiotika bekämpft. Dies ist in der Schweiz und der EU (nicht nur wegen der Rückstandsproblematik!) aus gutem Grund verboten. Durch Antibiotika werden nur die in der Wachstumsphase befindlichen Erreger (als begeisseltes Stäbchen) abgetötet. Nicht abgetötet werden die älteren Sporen in ihrer widerstandsfähigen Dauerform. Diese hochansteckenden Sporen verbleiben im Bienenvolk und sind deshalb auch im Honig vorhanden. Diese Sporen sind für Menschen völlig ungefährlich. Weil diese Sporen aber für Bienen jahrzehntelang hochansteckend bleiben ist es sehr wahrscheinlich, dass in einem mit Antibiotika sanierten Bienenvolk die Seuche wieder ausbricht. In Folge kann auf das Medikament nicht mehr verzichtet werden bzw. ansteckende Nachbarn machen eine prophylaktische Gabe notwendig.

Wegen hoher Antibiotikarückstände war beispielsweise jahrelang der Import von chinesischem Honig verboten. Heute liegt China allerdings wieder auf Platz drei der deutschen Importstatistik. Aber auch in den USA und anderen Ländern ist es „normal“ Antibiotika dem Bienenfutter beizumischen.

Wie wird die Seuche hierzulande bekämpft?

bienen-von-oben-03 hochAmerikanische Faulbrut ist in der Schweiz eine anzeigepflichtige Bienenkrankheit. Wo sie auftritt wird um die betroffenen Bienenstände amtlich ein Sperrbezirk (im Flugradius der Bienen) festgelegt. Kein Bienenvolk darf da mehr rein und keines darf da mehr raus. Alle Bienenhalter innerhalb des Sperrbezirkes sind verpflichtet dem Veterinäramt den Standort ihrer Bienenstände zu melden. Sämtliche Bienenvölker im Sperrbezirk werden ausnahmslos untersucht. In der Vergangenheit wurden erkrankte Bienenvölker getötet und zusammen mit den verseuchten Bienenkästen verbrannt. Heute überleben wenigsten die erwachsenen Bienen die Sanierung. Es müssen aber immer noch sämtliche Brutwaben vernichtet und die Bienenkästen aufwändig thermisch desinfiziert werden. Die erwachsenen Bienen bekommen einen neuen unbelasteten Kasten und müssen ihr Zuhause als „Kunstschwarm“ ganz neu aufbauen. Erst wenn amtlich bestätigt ist, dass es keine Krankheitsfälle mehr gibt, wird der Sperrbezirk aufgehoben.

Da beim hiesigen Verfahren keinerlei Medikamente im Spiel sind, stellt sich hier das Thema „Rückstände“ für den einheimischen Honig erst gar nicht. Verbraucher müssen auch vor schwarzen Schafen keine Angst haben, da hierzulande ein verbotener Antibiotikaeinsatz keinerlei Sinn machen würde. Da die Sporen nicht abgetötet werden bliebe so ein Bienenvolk für die Nachbarn ansteckend. Spätestens wenn die Krankheit beim Nachbarimker ausbräche käme das Veterinäramt ins Spiel.

Die hiesige rückstandsfreie Bekämpfungsmethode wäre eigentlich sehr effektiv und neue Krankheitsfälle würden sich auf seltene Fälle von „unhygienisch“ geführten Bienenvölkern beschränken. Sie wäre effektiv, gäbe es da nicht den belasteten Importhonig, der die Krankheit immer wieder neu ausbrechen lässt.

Schauen Sie doch mal nach wo Ihr Honig herkommt.

Es steht auf dem Glas!